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Akustische Umwelt in transdisziplinärer PerspektiveHerausgegeben vom Forum für Klanglandschaft
Wir möchten mit dieser Online-Broschüre dazu beitragen, das Gefühl der Vereinzelung, die alle mit Klangumwelt befassten Personen noch zu Beginn der 90er Jahre empfunden hatten, aufzulösen und eine qualitativ hochstehende Diskussion von Methoden und Inhalten zu fördern. Damit entspricht die kleine Textsammlung den Zielen des Forums Klanglandschaft.
Autoren: Thomas Gerwin, Albert Mayr, Alexander Lorenz, Birgid Rauen, Justin Winkler
© der Beiträge bei den Autoren, Ausdruck zum Privatgebrauch erwünscht
Eine Online-Publikation des Forums für Klanglandschaft
und des Akroama Verlags
Hammerstrasse 14, CH – 4058 Basel, Fax +41 61 691 0066
ISBN 3-9520335-4-5
Basel 1999, erweitert und verbessert 2010
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Auszug:
Landschaft hören
Justin Winkler
Mit dem Wiederaufleben der Diskussion über die sinnliche Erkenntnis in verschiedenen Zweigen von Wissenschaft und Kunst ist auch die klangliche Umwelt zum Gegenstand interdisziplinärer Anstregungen geworden – wieder geworden, nachdem sie seit Beginn des 20. Jahrhunderts in verschiedenen isolierten Ansätzen Beschreibungsversuche erfolgt sind. Das hochkultivierte Hören auf Musik und Sprache erhält mit der Klanglandschaft und dem für sie charakteristischen elementaren Hören ein Gegengewicht, einem Hören, das nicht rituell ausgesondert ist, sondern in der Unvermerkheitd es Alltags steckt.
Beim Wort Klanglandschaft handelt es sich um die in jüngster Zeit eingebürgerte Übersetzung des englischen Kunstwortes soundscape; Lautsphäre, Schallwelt oder Klangschaft lauteten andere Vorschläge. Das Wort soundscape enstand Ende der sechziger Jahre und wurde vom kanadischen Komponisten R. Murray Schafer und dem Stadtplaner Michael Southworth etwa gleichzeitig und unabhängig 'erfunden' und verwendet. (Schafer1986[1967], 68; 1986[1969]; Southworth 1969) Schafer hat aus der Vokabel im Rahmen der Forschungstätigkeit des von ihm initiierten World Soundscape Project einen Begriff gemacht und diesem einen Platz in der Geschichte der Wissenschaften von der sinnlich fassbaren Umwelt gegeben. Das Forschungsfeld Klanglandschaft oder, vom nicht besonders klar definierten englischen acoustic ecology abgeleitet, Klangökologie ist seit Anfang der neunziger Jahre durch die internationale Kommunikationsstruktur des World Forum for Acoustic Ecology (WFAE) personell und thematisch erschlossen worden.
Klang bezeichnet die Gesamtheit der Töne, Laute und Geräusche; Klanglandschaft bezeichnet die Gesamtheit der klingenden Umgebung – von den Eigengeräuschen desKörpers bis zum fernsten Donnerrollen – als der Sachverhalt der Wahrnehmung, das heisst, mit Bezug auf ein Subjekt, und der Repräsentation, das heisst mit Bezug auf die Gesellschaft. Schallfeld wird demgegenüber der physikalische Klangraum eines Objektesgenannt. Landschaft ist in diesem Sinne nicht nur das 'Aussen', das wir in unserer visuell ausgerichteten Kultur damit assoziieren, sondern auch ein 'Landschaftliches' in einem übertragenen Sinne als Gefühlslandschaft oder Landschaft der Erinnerung. Die Klanglandschaft ist eine Kulturlandschaft, eine Landschaft des Menschen, die auf der Grundlage von gegenwärtiger Wahrnehmung von Stimmungen, Erinnerungen und Imaginationen gebildet wird. Damit stossen wir an die Grenzen, die der Dokumentation der Klanglandschaft gesetzt sind. Es geht nicht, oder nicht ausschliesslich, um eine Tonjägerei mit technischen Hilfsmitteln, sondern um Aussagen und Wertungen von Menschen.
Und es stellt sich die Frage: Wenn Tonaufnahmen von äusseren Klanglandschaften die
Wiederholung des Wahrnehmungsaktes ermöglichen, wozu dient diese Wiederholbarkeit
in diesem besonderen Falle?
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